Ich vermisse mein altes Leben. Ein kleines bisschen.

15.12.16

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Man passt sich seiner Umgebung an. Ein bisschen - bewusst oder unbewusst. Und den Umständen unter Umständen auch. Wir formen uns. Die Karten werden neu gemischt; kriegen den Joker oder den schwarzen Peter. Wieder eine Chance verpasst oder vielleicht doch ergriffen? Darf ich mir etwas wünschen? Ein bisschen altes Ich zurück? Oder ist das gegen die Spielregeln?

"Wie geht es dir?" - "Müde."
Meine Standardantwort. Weil es stimmt. Wie Dornröschen in ihrem hundertjährigen Schlaf. Doch ist es nicht der fehlende Schlaf, der mich müde macht. Rastlos laufe ich umher. Erledige meine Aufgaben. To-do-Listen abgehakt und ab in die Müll, denn die Nächste wartet schon. Meine Gedanken brauchen eine kurze Pause. Ruhe. Zeit. Für mich. Einsamkeit, die ich misse. 

Doch ich wollte so sein. Vielbeschäftigt, immer auf Trab. Sinnvolle Tage verbringen. Etwas bewirken, etwas verändern. Sich engagieren. Helfen. Und - das mache ich auch. Nonstop. Wieder und wieder. 
Jetzt will ich mein altes Ich zurück. Ein kleines bisschen. Weil ich mich damit besser gefühlt habe. Ein kleines bisschen. Mit der Zeit für mich. Mit den Beschäftigungen, die ich den ganzen Tag machen konnte. Lebe mehr für dich. Sollte ich wohl. Doch wer hört schon auf seine eigenen Ratschläge? Warte auf den Windhauch, der das ganze Kartenhaus zum Stürzen bringt. Ich jongliere mit meinen Lebensstunden, obwohl ich nicht einmal jonglieren kann. 

Was ich damit sagen möchte, weiß ich gar nicht. Vielleicht will man einfach immer das, was man nicht hat. Mit hohen Schuhen durch die Flure stolzieren. Mehr philosophieren und über die absurdesten Sachen reden. Sport machen, mich ausgeglichener fühlen. Menschen finden, die die gleichen Interessen haben und mich mit ihnen austauschen. Es ist traurig, wenn man zu dritt in dem Literaturkurs über wundervolle Gedichte redet, weil in deinem Umfeld niemand interpretieren, zwischen den Zeilen lesen möchte. Weil bei den meisten Naturwissenschaften kein Platz dafür ist. Kann ich nicht einfach mehr die Lehramt-Thuy sein und ihr Leben leben? Ich vermisse mein altes Leben. Ein kleines bisschen. Aber - man passt sich seiner Umgebung an. Ich war seltener overdressed, verschlafener und permanent auf der Suche. Deshalb frage ich mich manchmal immer noch, ob ich wirklich angekommen bin...  

Jedes Mal, wenn ich in meine hohen Schuhe schlüpfe, fühle ich mich wie Cinderella. Stöckle zum Ball, tanze, blende alles aus, vergesse. Wieder mehr ein Stück zurück zu mir. Ist es in Ordnung, sich weniger reif und erwachsen fühlen zu wollen? Einfach in dem Moment zu leben? Keine Rücksicht auf Konsequenzen? Die Vernunft im Urlaub. Wenigstens für wenige Stunden. Dabei sind es nicht einmal die Heels, die magisch sind, denn kurz darauf landen sie auch schon in der Ecke. Und da ist sie endlich wieder. Die alte Thuy, die ich schon vermisst hatte. Barfuß die Hüften schwingend. Ich glaube, ich werde sie von nun an öfter holen. Weil es mir so gut tut. Weil es der Ausgleich ist, der mir wohl gefehlt hat. Und dann natürlich auch ohne gute Fee und einer Kürbiskutsche.

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3 Gedanken

  1. super:) xx
    Bianka
    http://ruhamania.blogspot.hu/

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  2. Ich finde deinen Beitrag sehr schön und tiefsinnig, gefällt mir sehr!
    Ich kann dich total verstehen - mehr Ruhe, weniger Stress, einfach mal Innehalten... und nicht wie Ferngesteuert von links nach rechts hetzen. :)
    Viele Grüße
    Juli von Lebenlautundleise

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  3. Toller Beitrag und wirklich tolles Outfit.
    Du hast eine so schöne Figur und kannst sowas unglaublich gut tragen.

    Liebe Grüße
    Annika von http://femme-pure.blogspot.de/

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Schon im Voraus: danke für den Kommentar :*

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