Auf der Suche nach der verlorenen Hälfte

25.11.16

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Einem Mythos von Platon zufolge gab es einst die Kugelmenschen, die aus der Sonne, der Erde und dem Mond entsprangen. Sie hatten vier Arme, vier Beine und zwei Köpfe. Als sie sich einst gegen die Götter richten wollten, teilte Zeus diese als Bestrafung in zwei Teile: Es entstanden die heutigen Menschen. Seither irren diese unvollständigen Wesen alleine ihres Weges und seien immer auf der Suche nach ihrer verlorenen anderen Hälfte.

Mache Sachen kann man nicht in Worte fassen. Oder eben doch. In hunderttausend verschiedenen Variationen. Gedichte, Dramen, Prosa. Kein anderes Thema ist so oft behandelt wurden. Durchgekaut und doch nie wirklich ausgeschrieben. Die Tinte niemals ausgetrocknet.

"Wonach bist du auf der Suche?"- "Nach der großen Liebe natürlich." 

Ich wurde ausgelacht. Wer kann es dem Typen auf der letzten Uni-Party verübeln. So viel Naivität kann doch nicht ernst gemeint sein. Aber wieso eigentlich nicht? Schon immer hatte ich eine Schwäche für die Liebe. Verliebte mich in die Epoche der Romantik mit ihren Motiven: Nacht. Sehnsucht. Unterbewusstsein. Verborgenes. Verbotenes. Nicht-Greifbares. Unendlichkeit.
Die Verse ein Traum, prägend. Dabei ist alles in einem tiefen Blau getaucht. Kein Rosarot. Rückschläge.  Abschiede. Lebewohls. Auch das gehört dazu. 

Auch Carrie Bradshaw meinte einmal, dass sie auf der Suche sei "nach Liebe, wirklicher Liebe, völlig lächerlicher, völlig unpassender, alles verzehrender - nicht leben können ohne den anderen - Liebe". Und in einer Gesellschaft, in der man sich fürchtet verletzt zu werden und als Mitglied der Generation, die den Ruf der Beziehungsunfähigkeit hat, wird man mit dieser Denkweise eben ausgelacht. Aber warum sollte ich mich davon auch unterkriegen lassen? Liebe ist ein abstraktes Wort, ein Konstrukt. Jeder kann es anders definieren. Wer weiß, wo die Liebe hinfällt? Unverhofft kommt oft. Und vielleicht hat man irgendwann das Glück seiner verlorenen Hälfte zu begegnen.

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3 Gedanken

  1. Das ist einfach SO schön geschrieben. Diese Generation, unsere Generation lebt teilweise so fernab von jeder Realität, und dann wieder so mit beiden beiden fest am Boden. Wir haben viel zu oft gehört, dass wir alles machen können, und ich denke, wir versuchen genau das zu tun, Erwartungen gerecht zu werden, unsere eigenen und die aller anderen, weil wir können.
    Und in dieser Welt ist es wohl wirklich naiv nach der wahren, echten Liebe zu suchen. Auch wenn ich nicht finde, dass es das nicht ist. Im Gegensatz zu dir kann ich zwar mit (klassischer) Romantik nichts anfangen, aber die Liebe, die muss doch wahr und echt und allumfassend, irrational und bescheuert sein - sonst bleibt es doch bei Sympathie, oder?

    Toll geschriebener Text!

    Damit wünsche ich dir einen schönen Adventsonntag und viele spannende Begegnungen auf deiner Suche,
    Casey

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  2. Was für ein schöner Mythos und ein wirklich toller Text.
    Finde es toll, dass du trotzdem zu deiner Meinung stehst :)

    Ich glaube, dass fast jeder Mensch irgendwie hofft seine andere Hälfte eines Tages zu finden und wahrscheinlich bezeichnet einfach das auch nicht jeder als die große Liebe. Aber ich bin auch der Meinung, dass es auf keinen Fall falsch oder naiv ist auf der Suche zu sein oder daran zu glauben.

    Liebe Grüße, Chi Chi
    www.ccl-cherryblossom.blogspot.de

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Schon im Voraus: danke für den Kommentar :*

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