Da sind sie wieder, diese Zweifel

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Ich beneide Leute, die ein konkretes Ziel vor Augen haben. Jene, die seit Jahren genau wissen,
was sie wollen und sich Plan A bis Z zurechtlegen, um dieses zu erreichen. 

Ich beneide Leute, die Talent haben. Jene, die eine Sache anfangen und es scheint,
als hätten sie nie etwas anderes getan. Alles, was sie anfassen wird zu gold.

Ich beneide Leute, die keine Zweifel haben, gegenüber der Zukunft oder ihren eigenen Fähigkeiten.
Jene, deren Selbstwirksamkeit so hoch ist, dass sie jedem Sturm, jedem Orkan trotzen könnten.

Dazwischen bin ich. Habe viele Interessen; ein breites Spektrum voller Bereiche, die ich am liebsten alle erforschen, erkunden möchte. Momentan widme ich mich bloß einem - der Psychologie. Lerne über das Erleben und Verhalten des Menschen, im Zusammenhang mit anderen Gebieten. Die Wissenschaft der Seele. Was ist der Grund? Welche Ursache hat dies und jenes? Warum, warum, warum. Doch egal wie sehr mich all das fasziniert, Teile meiner Selbst scheinen in mir zu verkümmern. Eins flüstert permanent, ob ich nicht doch meiner inneren Künstlerin folgen möchte, um mein "Talent", wie es meine Kunstlehrerin nannte, nicht zu verschwenden. Auch die Fotografie soll gelernt sein und ich schwimme mit meinem Wissen darüber nur auf der Oberfläche herum. Dabei gäbe es so viel mehr zu entdecken. Und seit ich das Anglistik-Studium an den Nagel gehängt habe, erfüllt mich eine tiefe Sehnsucht nach der Literatur. Lesen, Schreiben, Interpretieren. Warum hat der Autor das so geschrieben? Was versteckt sich hinter dem Titel? Weshalb hat der Text diese und keine andere Perspektive? Eine Welt, die dich dazu bringt, über den Tellerrand zu blicken. Doch inzwischen ist der Vorhang meines Horizonts wieder gefallen.

Die Liste geht weiter und weiter. Es ärgert mich, dass ich nicht die Zeit habe, all meinen Interessen nachzugehen. Zeit, unser wertvollstes Gut, doch wofür? Wir arbeiten für eine Zukunft, unsere Zukunft. Aber ich frage mich, was all das bringt, wenn mich in diesem Moment so eine Unzufriedenheit erfüllt. Mache halbe Sachen und bin am Ende enttäuscht über die unfertigen, unvollständigen Produkte. Alles, für eine Zukunft, bei der ich nicht sicher bin, ob ich sie überhaupt will. Und da sind sie wieder, diese Zweifel.

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19 Gedanken

  1. Über Zweifel könnte ich diverse Lieder singen, Bücher schreiben und Filme machen. Mein zweiter Vorname könnte Zweifel lauten...

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    1. Dann hätten wir wohl beiden den gleichen Vornamen...
      Alles Liebe <3

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  2. Sehr schöner Beitrag, der zum Nachdenken anregt!
    Die Fotos sind wundervoll, du hübsche! :)

    XX,
    Photography & Fashion Blog

    CHRISTINA KEY
    www.CHRISTINAKEY.com

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  3. Wunderschöne Fotos und diese Zweifel haben wohl die meisten von uns. Es gibt unendlich vieles, was mich interessiert und ich frage mich auch sehr oft, ob ich den richtigen Weg einschlage. Was mich tröstet ist, dass man vielen Leidenschaften auch als Hobby nachgehen kann und wer weiß, was vielleicht mal daraus wird.
    Liebe Grüße ♡ Kristina
    TheKontemporary

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    1. Stimmt, so mache ich das momentan auch. Allerdings fehlt einem immer die Zeit wirklich alle Hobbys auszuleben...
      Alles Liebe <3

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  4. Der Text ist so gut .. finde es selbst so schwer zu entscheiden was ich wirklich machen möchte, da es eben doch so viele Möglichkeiten gibt. Wenn man das eine macht, sehnt man sich nach dem anderen und andersherum. Es ist wirklich schwer alle Interessen zu kombinieren ... Ich denke mir dann immer, dass ich jetzt erstmal das eine mache und später dann meinen anderen Wünschen nachgehen kann. Wenn da nur nicht das Problem mit der Zeit wäre und die Angst eine Chance zu verpassen.

    Alles Liebe <3

    PS.: Wunderschöne Bilder!

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    1. Du hast es perfekt auf den Punkt gebracht... Der Rasen im anderen Garten ist immer grüner. Trotzdem kommt man nie ganz davon los, darüber nachzudenken. Zu zweifeln.

      Alles Liebe <3

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  5. Vorweg: Du siehst auf den Fotos wunderschön aus und die Belichtung, Kontraste und Farben sind toll gewählt!

    Ich weiß übrigens sehr gut, wovon du redest. Seit ich mit dem Studium angefangen habe (btw. ebenfalls Psychologie), vernachlässige ich auch viele meiner Interessen und Hobbys. Ich habe das Gefühl, dass es fast zwangsläufig so kommt, wenn man sich tiefergehend mit einem Gebiet auseinandersetzt - je mehr man darüber wissen möchte oder gar muss, desto mehr Zeit muss man investieren und umso weniger bleibt für anderes übrig. Das ist total schade, weil man sich damit selbst so viele Begrenzungen aufbaut, aber man kann ja nun mal leider leider auch nicht zig verschiedene Richtungen gleichzeitig einschlagen :/
    Mir kommt das Leben ziemlich trichterförmig vor: Mit jeder Entscheidung die man trifft, wird im nächsten Schritt der Entscheidungsspielraum kleiner. Man grenzt sich immer mehr ein und dabei auch automatisch von anderen Dingen ab. Mir kommen da auch regelmäßig Zweifel, ob ich tatsächlich den richtigen Weg verfolge, du bist da nicht alleine.

    Liebe Grüße,
    Katharina

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    1. Du studierst auch Psychologie? Das wusste ich gar nicht! :)
      Ich sehe das mit dem Trichter genauso wie du... Leider. Aber das gehört wohl irgendwie dazu... Wie "entfernst" du diese negativen Gedanken und schiebst die Zweifel beiseite?

      Alles Liebe <3

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  6. Das mit den Selbstzweifeln ist wirklich so eine Sache...
    Wir wissen alle, dass sie irgendwo jeden plagen, ärgern uns aber trotzdem damit herum und fühlen uns am Ende nur schlecht. Schlechter als andere Leute. Im schlimmsten Fall weniger Wert..

    Ich bin mir aber sehr sicher, dass du deinen Weg finden wirst. Die meisten Dinge passieren nicht geplant. Das Schicksal ist von der spontanen Sorte.

    ZUDEM: Dein Blog ist wirklich schön, die Bilder sind ehrlich toll und ich mag wie du schreibst. Hier schaue ich definitiv mal wieder vorbei! Gefolgt!

    Liebst, Seline
    www.selscloset.blogspot.de

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    1. Vielen Dank für deine aufmunternden Worte. Ich hoffe auch, dass ich meinen Weg finden werde. Wir alle :)

      Danke, dass du mir folgst <3

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  7. Sehr toller Text. Bringt einem zum Nachdenken...
    Wunderschöne Aufnahmen übrigens.
    Liebe Grüsse
    Sunny
    www.koschka.ch

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  8. Ich beneide Leute, die ein konkretes Ziel vor Augen haben. Jene, die seit Jahren genau wissen,
    was sie wollen und sich Plan A bis Z zurechtlegen, um dieses zu erreichen.

    Wer ist das denn? Menschen die doppelt so alt sind und Dir erzählen, dass sie das heutige Erreichte durchgeplant haben? Das glaubst Du? Der „Plan des Sieges“ ist höchstens eine Idee, denn man kann zum Glück das Leben nicht durchplanen. Und wenn es jemand erzählt, dass er alles bis heute geplant und es genauso eingetroffen ist und er es dann verwirklicht hat, dann ist es eine Lebenslüge oder auch nur Realitätsverlust.

    Ich beneide Leute, die Talent haben. Jene, die eine Sache anfangen und es scheint,
    als hätten sie nie etwas anderes getan. Alles, was sie anfassen wird zu Gold.

    Ja, mein Glaube sagt mir, dass jeder Mensch Talente hat, und auch die Fähigkeit, leckeres Brot zu backen ist ein Talent, das ich nicht habe. Das einmal vorweg. Wenn man sein Talent zu einem Beruf macht, ist die Glückswahrscheinlichkeit sicherlich größer. Bei dem Lebenszufriedenheitsgrad könnten vielleicht Zweifel entstehen. Den Lebensunterhalt mit Backen, Malen oder Musizieren zu bestreiten ist eine schwierige Angelegenheit, die ggfs. auch viele unschöne Kompromisse beinhaltet. z.B. man muss in einem Orchester spielen, weil die Solokarriere erfolglos bleibt. Aber Orchester macht mich unglücklich, während alleine Musizieren ein immenses Glücksgefühl auslöst. Diese Balance kann mitunter sehr komplex und anstrengend sein. Es gibt natürlich einige Glückspilze, die Ihr Talent gewinnbringend an den Mann/Frau bringen. Es gibt auch Menschen, die im Lotto gewinnen. Aber es gilt: Niemand ist gut in einer Sache, ohne sich anzustrengen und viel Arbeit hineinzustecken. Nur die Talentierten erreichen es schneller oder weiter.

    Ich beneide Leute, die keine Zweifel haben, gegenüber der Zukunft oder ihren eigenen Fähigkeiten.
    Jene, deren Selbstwirksamkeit so hoch ist, dass sie jedem Sturm, jedem Orkan trotzen könnten.

    Selbstbewusstsein haben beneidest Du? Und Du hast jetzt ein Studium von Psychologie angefangen, deren Sinn darin besteht, die „Schwächen“ zu erkennen und zu behandeln? Siehst Du da nicht einen Widerspruch? Ich schon. Alle Psychologen hinterfragen sich natürlich selbst und diagnostizieren sich selbst. Ich bin kein Psychologe und habe mühsam durch Erfolge und Rückschläge erkannt, was meine „Talente“ sind und versuche sie sinnvoll einzusetzen. Das nennt man lernen. Und es ist erstaunlich, was sich im Leben alles „fügt“, um das Schicksal in das Leben zu lassen. Damit stößt man zwar eine religiöse Tür auf, aber … ich habe die Erfahrung gemacht, es funktioniert. Wenn Du Zweifel über die Zukunft hast, dann gestalte sie mit. Wenn Du an Deinen Fähigkeiten zweifelst, dann setzte die Fähigkeiten ein, deren Talent Du besitzt und ansonsten lerne und verbessere Dich. Ich habe einen Sohn, der ist fast so alt wie Du bist und er suhlt sich manchmal auch in solchen Aussagen. In den Semesterferien hat er 4 Wochen bei einem Dachdecker gearbeitet. Und er sieht die Welt mit anderen Augen. Unterhalte dich mit arbeitenden „Nichtstudenten“. Versuche die Welt aus einer anderen Perspektive zu erlernen. Dann siehst Du Facetten, die Dir im Studium verborgen bleiben.
    Oder nur in der Theorie kennen lernst.

    Das Leben ist kein „Trichter“ aber natürlich hat jede Entscheidung Konsequenzen. Auch unschöne. Das muss man akzeptieren. Lerne daraus. Du wirst als Psychologin ganz schnell vor der Entscheidung stehen, jemanden zutiefst zu verletzen um zu versuchen, ihn zu heilen. Und wenn das nicht klappt, dann wird er Dich zutiefst und zurecht für immer hassen. Aber ein zaudernder Psychologe ist genauso schlecht, wie ein zaudernder Arzt. Beide können immensen Schaden anrichten.

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    1. Zunächst einmal vielen Dank für den ausführlichen Kommentar, Anonym.
      Aber bevor ich irgendetwas beantworte, möchte ich betonen ich, dass du sehr vieles zusätzlich in meine Worte hinein interpretiert hast. Jedoch gehört das wohl oder übel beim Lesen dazu.

      1. Es war nie die Rede, dass jemand jedes einzelne Ereignis im Leben geplant hat und es genauso eintraf. So etwas ist schier unmöglich, immerhin gibt es unendlich viele Faktoren, die man weder beeinflussen, noch vorhersehen kann. Es ist vielmehr von solchen Menschen die Rede, die sehr bald wissen, dass sie Anwälte, Ärzte oder Architekten werden wollen und dieses Ziel immer im Auge behaltend verfolgen. Sicherlich sind dir auch welche bekannt.

      2. Auch hier habe ich nicht geschrieben, dass nur eine bestimmte Anzahl an Menschen ein Talent haben. Es ist eine subjektive Aussage, ICH beneide sie. Menschen, die bestimmte Tätigkeiten mit so einer Leichtigkeit praktizieren, dass man beim Zusehen nur staunen kann. Es fiel nie das Wort Glück oder Beruf, geschweige denn die Korrelation davon. Natürlich muss man dafür Arbeit investieren, aber manche Sachen fallen einem schwerer als andere, was mit Motivation oder Interesse zusammenhängen kann, aber das ist wieder eine andere Schublade.

      3. Ja, ich beneide Selbstbewusstsein, wobei hier vielmehr Selbstwirksamkeit die Rede ist. Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und dass man alle Hürden meistern kann und wird. Nicht jeder Mensch ist mit dieser Denkweise ausgestattet. Viele zweifeln an sich oder attribuieren extern, also auf äußere Einflüsse.

      Außerdem besteht der Sinn eines Psychologen nicht darin, die Schwächen eines Menschen zu erkennen und zu behandeln. Primär geht es darum das Verhalten und Erleben einer Person zu verstehen. Die Prozesse, die damit zusammenhängen und Faktoren, die darauf einwirken. Das, was du meinst, ist ein Psychotherapeut und da ist die Aufgabe "abnormalen" Menschen zu helfen. Soviel dazu. Aber ich sehe keinen Widerspruch darin, Menschen für eine Charaktereigenschaft zu beneiden und Menschen zu helfen. Wenn es einen gibt, würde ich diesen gerne wissen.

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    2. Auch Psychologie-Studierende lernen. Vielleicht sind einige dabei, die dabei sehr reflektiert vorgehen, aber ich wüsste nicht, was daran falsch sein sollte. Zudem denke ich, dass jeder diese Zweifel gegenüber der Zukunft kennt, egal, ob man an etwas glaubt oder nicht. Es geht um das Ungewisse, das jedem Angst machen kann. Deshalb verstehe ich deinen Sohn sehr gut. Allerdings weiß ich weder, was er studiert, noch warum und wie seine Semesterferien aussehen. Von daher werde ich mir kein Urteil darüber bilden. Nichtsdestotrotz weißt du genauso wenig über mich und kannst nicht einschätzen, welche "Facetten" ich bereits kenne. Studium ist nicht gleich Studium. Deshalb gilt auch der Umkehrschluss: "Nichtstudierende" wissen teilweise auch nur die Vorurteile des Studierens.

      Ich denke die Metapher mit dem Trichter ist insofern passend, dass man immer weniger Möglichkeiten hat, in verschiedenen Gebieten zu schnuppern, etwas zu lernen und sich da weiterzubilden. Man ist gezwungen, einen konkreten Weg zu gehen und kann selten (man soll niemals nie sagen) eine 180° Drehung machen.
      Psychologie ist so ein breites Feld und ich merke, dass du dich da zu wenig dafür auskennst, um zu wissen, welche Berufe oder Tätigkeiten dazu gehören. Auch was Behandlung und Patienten angeht. Deshalb werde ich darauf nicht weiter eingehen, sonst würde es eindeutig den Rahmen sprengen.

      Abschließend möchte ich sagen, dass ich es interessant finde, wie intensiv du dich mit meinem Text beschäftigt hast und ich mich über solch einen Austausch freue. Ungeachtet dessen solltest du mir nicht die Worte im Mund umdrehen oder gar etwas hinzu zu dichten, was ich niemals behauptet habe. Über einen weniger anklagenden und belehrenden Ton wäre ich ebenfalls dankbar. Es ist immerhin mein Blog und deshalb werde ich weiterhin meinen Gedanken freien Lauf lassen. Und wie du sagtest, ich werde noch genug Fehler und unschöne Erfahrung machen. Aber ich werde auch daraus lernen und darüber schreiben, so wie ich es für richtig halte.

      Liebe Grüße
      Thuy

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Schon im Voraus: danke für den Kommentar :*

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