Reckless

21.2.16

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Ich erinnere mich nicht an viele Sachen aus dieser unbeschwerten Zeit im Kindergarten. Kein Wunder, es ergeht den meisten Menschen so, dass sie die ersten Erinnerungen aus dem dritten oder vierten Lebensjahr haben. Das Gehirn fängt an, sich Erlebnisse abzuspeichern, die eine wichtige Bedeutung haben; das autobiographische Gedächtnis entwickelt sich. Von da an wird gefilmt und festgehalten...

Wir haben den ganzen Tag zusammen gespielt und dann wurdest du abgeholt. Deine Mutter kam und redete mit der Erzieherin. Du meintest bloß, dass sie kurz warten soll und nahmst meine Hand. Wir liefen zum Schuppen und zwischen all dem Grün bliebst du stehen. Dann gabst du mir einen Kuss auf die Wange und verabschiedest dich von mir. Ich stand bloß da und war verwirrt. 

Inzwischen war es mucksmäuschenstill. Die Kinder um mich herum schliefen alle tief und fest, während ich meine Augen angestrengt offen hielt. Der Gesang und das Gitarrenspiel der Erzieherin war verstummt und ich hörte, wie sich die Erwachsenen im Nebenzimmer unterhielten. Starr schaute ich zur Decke. Heute wollte ich ganz heimlich wach bleiben, gegen die Regeln verstoßen, rebellisch sein. Mein Herz pochte vor Aufregung und ich fragte mich, ob es lauter war als das Ein- und Ausatmen der anderen. Könnte jemand dadurch aufwachen? Vielleicht ist jemand auch wach? Wie viel Zeit wohl inzwischen vergangen war? Fragen über Fragen. Doch irgendwann überkam mich die Müdigkeit. Ich drehte mich auf die Seite und schloss die Augen. Das Vorhaben löste sich in Luft auf.

Wir spielten im Sandkasten und ich liebte es am meisten mit Förmchen kleine Kunstwerke zu kreieren. Zauberte kleine Blumen und Tiere aller Art. Ich war fasziniert davon, dass man so viel aus nichts erschaffen kann. Wie magisch. 

Es war ein sonniger Tag im Frühling und wir machten einen Spaziergang. Wir gingen öfter durch die Straßen in der näheren Umgebung, natürlich in zweier Reihen, Hand in Hand. Sofort fielen mir die wunderschönen Blumen in den vielen Gärten auf. Auch an der Hauswand in unserem Kindergarten wuchsen sie in den verschiedensten Farben. Mal waren sie feuerrot, dann leuchtend gelb oder zartrosa. Später fand ich heraus, dass sie Tulpen heißen und ich wusste sofort, dass sie meine Lieblingsblumen sein werden.

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3 Gedanken

  1. Ein wirklich sehr sehr schöner Text.
    Du hast echt Talent dafür.
    Liebe Grüße
    http://femme-pure.blogspot.de

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  2. du schreibst wirklich sehr schön, lese gerne persönliche texte :)

    Sandy http://golden-shimmer.blogspot.de/

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  3. Echt toll geschrieben !
    & das Kleid , wenn es eins ist > es sieht richtig schön aus !

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Schon im Voraus: danke für den Kommentar :*

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