One thousand and one nights

18.1.16

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Als ich jünger war, habe ich öfters die Decke über meinen Kopf gezogen. Die Dunkelheit umhüllte mich, ich empfand ein Gefühl der Sicherheit. Es war wie eine magische Höhle, mein eigener, kleiner Rückzugsort. Wie ein Strauß steckte ich meinen Kopf in den Sand, wie eine Schnecke verkroch ich mich in meinem Haus. Dort wurden Luftschlösser gebaut und von Märchen geträumt. Wünsche gingen in Erfüllung, auch ohne an einer Wunderlampe zu reiben. Wenn es nur so einfach wäre.

Wir saßen in einem vollgepackten Auto auf dem Weg zu unserem zweiten Zuhause. Etliche Kilometer und laut mitgesungenen Lieder hinter uns, wurde es plötzlich still. Jeder von uns schien in seinen Gedanken verloren zu sein. Die Welt um uns herum verdunkelte sich, am Horizont nur noch ein kleiner, heller Streifen zu sehen. Bäume, Häuser, Felder verschwammen zu einem einzigen, dunklen Fleck, einer grauen Masse, einem undefinierbaren Etwas. Genauso würde ich das beschreiben, was sich in dem Moment in meinem Kopf befand: Wirres Durcheinander. Beengendes Nichts.
Tief holte ich Luft, setzte an und ruhig hörtest du meiner Geschichte zu. Wie große Flutwellen kamen die Wörter aus mir heraus. Jedem noch so winzigen Detail, jedem einzelnen Tropfen ließ ich seinen freien Lauf. Doch statt aus den Erlebnissen ein Prosawerk zu verfassen, kam es nur zu einer nüchternen Bestandsaufnahme, einem Zeugenbericht. Hatte weder die Energie noch den Willen irgendetwas auszuschmücken, wollte bloß alles loswerden. Wie ein Parasit schien es mich von innen ausgesaugt und ausgelaugt zu haben. Wie lange ich vor mich hin geredet habe, weiß ich nicht mehr. Inzwischen war es stockdunkel und nur durch die Scheinwerfer hatte man Sicht auf die Fahrbahn. Du saßt neben mir und bis auf wenige Unterbrechungen hörtest du meinem Monolog aufmerksam zu, genauso wie vor einem Jahr, als ich dir erzählte wie alles begann. Nur dieses Mal waren wir am Ende dieser Geschichte angelangt, bloß ein weiteres Kapitel im Gesamtwerk. 

Eintausend Nächte gab es für mich nur einen Traum. Jedes Mal das gleiche, in der Hoffnung, dass es sowas auch im wahren Leben gäbe. Viel zu spät realisierte ich, dass ich mich die ganze Zeit auf einem Irrweg befand. Der Zauberer war ein Betrüger. Erkannte im letzten Moment diese Maskerade und machte kehrt. Noch rechtzeitig konnte ich meine kleine Wunderlampe in Sicherheit bringen. Und nun bin ich froh, dass es vorbei ist. Der Albtraum hatte ein Ende, nach eintausend und einer Nacht. 

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3 Gedanken

Schon im Voraus: danke für den Kommentar :*

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