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Mittwoch, 18. Mai 2016

Und ich tanze auf tausend Hochzeiten

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Meine derzeitige Liste an zu erledigenden Aufgaben ist lang. Sehr lang. Und das ist keine Übertreibung. Ich habe mir dieses Semester wohl wieder sehr viel zugemutet und merke langsam, wie eine riesige Welle auf mich zukommt, die droht mich unter sich zu begraben. Abgesehen von den Pflichten, die ich als Studentin zu erledigen habe, sehne ich mich nach so viel mehr. Kein ewiges Rechnen von Übungsblättern oder abendliche Ausflüge in die Uni, weil man im PC-Pool noch etwas zu tun hat. Möglichkeiten, die ich nur zu gerne am Schopf packen möchte. 

Vor einem 600 Mann Publikum mit meinem Chor gemeinsam auftreten, an Flashmobs teilnehmen, im Atelier Leinwände mit meinen Händen bemalen, ein Buch mit meinen Texten füllen, durch die lauwarmen Nächte tanzen, Poetry Slams besuchen, diese und jene Stadt erkunden, den Sand unter meinen Füßen spüren, picknicken, Shootings machen, meine Buchliste abarbeiten, jemanden küssen, die schönsten Kleider ausführen, mit meinen Freunden lachen, ...

Am liebsten möchte ich alles mitnehmen. Jeden Tag dafür nutzen, um mich lebendig zu fühlen. Aber es wird schnell klar, dass das unrealistisch ist. Ich komme mir selbst vor wie die Kinder, die früher bei der Spielegalaxie ein ganzes Spielwarengeschäft hätten ausräumen können, aber nur begrenzt Platz im Wagen und ein Zeitlimit hatten. Wie immer kann man nicht alles haben. Man muss wählen, sich entscheiden.

Trotzdem versuche ich im Moment so viel in meinen Warenkorb zu stopfen wie es nur geht. Tanze nicht nur auf zwei, sondern auf tausend Hochzeiten, weil ich ungern Absagen verschicke. Und so hetze ich von einem Ort zum anderen, bin immer angespannt, rastlos. Mir wird klar, dass ich Prioritäten setzen und einige Dinge verschieben, aufschieben muss, um nicht zu stagnieren. Bevor ich ganz untergehe, sollte ich lernen "Nein" zu sagen und das Gefühl beiseite schieben, etwas verpassen zu können. Ich kann mich nicht aufteilen. Das geht einfach nicht. Und im schlimmsten Fall kann ich mich nicht einmal auf das freuen, was ansteht. Die Gegenwart auskosten und zwar in vollen Zügen.

Also schicke ich meine erste Absage und merke, dass die Welt dadurch auch nicht untergeht. Im Gegenteil, mir geht es besser und ich habe wieder Luft zum Atmen. Streiche eine Sache nach der anderen von der Liste oder verstaue sie in die "Dinge, die dir nicht weglaufen werden"-Kiste. Man fühlt sich gleich um so viel freier. Denn manchmal ist es auch genug, nur auf einer Hochzeit zu tanzen. Aber dann von ganzem Herzen und mit leichten Füßen.

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Hemd, Jeans F21 | Boots Pimkie | Jacke Stradivarius | Newsboy TallyWeijl

Montag, 9. Mai 2016

Wortakrobatik

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Ich bin ein Wortakrobat.

Zumindest möchte ich einer sein. In meinem Kopf - kurz vor dem Einschlafen oder während ich in meiner Vorlesung eigentlich aufpassen müsste - entstehen Geschichten, die glatt als Hollywood-Film durchgehen könnten und an meinem Reimkünsten habe ich schon seit der 3. Klasse gefeilt. Der Satz "Mein Papa ist ein toller Mann, weil er so viel machen kann!" versetzte bereits meine Grundschullehrerin in sagenhaftes Staunen. Über Schneemänner und den Frühling gibt es auch kleine poetische Meisterwerke. Aber mal im Ernst.

Das Schreiben war schon immer ein Teil von mir, auch wenn der einzige Zuhörer selbst auf der Bühne stand. Während ich einen Gedanken nach dem anderen in meinen Tagebüchern festhielt, hatte ich immer das Gefühl, als würde ich meinen Kummer fortschreiben. Schüttelte mein Herz aus und die Buchstaben fielen wie Konfetti auf die leeren Seiten. Kleine Bruchteile, Fetzen meiner Vergangenheit sind nun in verschiedenen Büchern mit bunten Einbänden zu finden. Ich lache und weine mit mir, wenn ich die Zeilen durchlese. Merke, wie sehr und wie wenig ich mich verändert hatte. Doch mir fällt etwas Entscheidendes auf. Ich bin zwar ein Wortakrobat, doch nur in meiner Vorstellung. Es ist mir ein Leichtes die richtigen Worte zu finden, wenn ich sie tippen oder schreiben kann. Ein Schreibtyp durch und durch. Aber wenn man mich etwas fragt, eine Antwort wie aus der Pistole geschossen erwartet, dann bleibe ich stumm. Fühle mich, als würde ich mit dem Rücken zur Wand stehen, bin unter Druck, in Bedrängnis. Schaue verängstigt wie ein Reh. Deshalb kommt in solchen Momenten nur Unsinn aus meinem Mund. Als hätte mein Gehirn einen Aussetzer.

Ich weiß nicht, woher das kommt oder ob sich das irgendwie gebessert hat. Finde mich sehr oft in Situationen, die mich unsicher machen. Unbekanntes Terrain ist der Auslöser für meine Vorsicht, denn ich habe Angst, etwas Falsches zu sagen und beobachte lieber. Wenn man mich in diesen Momenten kalt erwischt, kann man nicht viel von einem Hirn aus Grütze erwarten. Aber was soll's, das gehört zu mir dazu. Dann bin ich halt ein verbaler Tollpatsch. Oder anders gesagt: ein Wortakrobat mit Sprachfehler.

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1 Stradivaius | 2 F21 | 3 Monki | 4 F21 | 5 F21 | 6 C&A

Samstag, 30. April 2016

Words from the bottom of my heart

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Zur Zeit schreibe ich wieder ein wenig. Für mich. Vielmehr gibt es nicht zu sagen.
Hört es euch an, wenn ihr Lust habt. Vielleicht kann sich der ein oder andere damit identifizieren. 

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Top Stradivarius | Jeans Tally Weijl | Boots C&A | Kette Neuseeland (Geschenk)

Dienstag, 12. April 2016

Da sind sie wieder, diese Zweifel

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Ich beneide Leute, die ein konkretes Ziel vor Augen haben. Jene, die seit Jahren genau wissen,
was sie wollen und sich Plan A bis Z zurechtlegen, um dieses zu erreichen. 

Ich beneide Leute, die Talent haben. Jene, die eine Sache anfangen und es scheint,
als hätten sie nie etwas anderes getan. Alles, was sie anfassen wird zu gold.

Ich beneide Leute, die keine Zweifel haben, gegenüber der Zukunft oder ihren eigenen Fähigkeiten.
Jene, deren Selbstwirksamkeit so hoch ist, dass sie jedem Sturm, jedem Orkan trotzen könnten.

Dazwischen bin ich. Habe viele Interessen; ein breites Spektrum voller Bereiche, die ich am liebsten alle erforschen, erkunden möchte. Momentan widme ich mich bloß einem - der Psychologie. Lerne über das Erleben und Verhalten des Menschen, im Zusammenhang mit anderen Gebieten. Die Wissenschaft der Seele. Was ist der Grund? Welche Ursache hat dies und jenes? Warum, warum, warum. Doch egal wie sehr mich all das fasziniert, Teile meiner Selbst scheinen in mir zu verkümmern. Eins flüstert permanent, ob ich nicht doch meiner inneren Künstlerin folgen möchte, um mein "Talent", wie es meine Kunstlehrerin nannte, nicht zu verschwenden. Auch die Fotografie soll gelernt sein und ich schwimme mit meinem Wissen darüber nur auf der Oberfläche herum. Dabei gäbe es so viel mehr zu entdecken. Und seit ich das Anglistik-Studium an den Nagel gehängt habe, erfüllt mich eine tiefe Sehnsucht nach der Literatur. Lesen, Schreiben, Interpretieren. Warum hat der Autor das so geschrieben? Was versteckt sich hinter dem Titel? Weshalb hat der Text diese und keine andere Perspektive? Eine Welt, die dich dazu bringt, über den Tellerrand zu blicken. Doch inzwischen ist der Vorhang meines Horizonts wieder gefallen.

Die Liste geht weiter und weiter. Es ärgert mich, dass ich nicht die Zeit habe, all meinen Interessen nachzugehen. Zeit, unser wertvollstes Gut, doch wofür? Wir arbeiten für eine Zukunft, unsere Zukunft. Aber ich frage mich, was all das bringt, wenn mich in diesem Moment so eine Unzufriedenheit erfüllt. Mache halbe Sachen und bin am Ende enttäuscht über die unfertigen, unvollständigen Produkte. Alles, für eine Zukunft, bei der ich nicht sicher bin, ob ich sie überhaupt will. Und da sind sie wieder, diese Zweifel.

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