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Freitag, 24. Juni 2016

Mauerblümchen

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"Ich dachte, niemand hätte mich bemerkt." - The perks of Being a Wallflower

Unauffällig, unbeachtet, unsichtbar.
Bin ich.
Alles fremd, mir unbekannt.
Kenne kein Gesicht.
Neu. Ungewissheit, Unbehagen.

Ich bleibe still, sage nichts. Auch wenn es etwas zu sagen gäbe. Ich bleibe still, sage nichts. Verharre im Verborgenen, beobachte. Sehe mir die Menschen an. Mein Blick schweift durch den ganzen Saal. Das Mädchen in der dritten Reihe erinnert mich an eine Grundschulfreundin. Das Gehirn sucht automatisch in einem Raum voller Fremden unbewusst nach Bekanntem, Vertrautem. Um sich wohler zu fühlen, um die fehlende Zugehörigkeit zu kompensieren. Hält sich krampfhaft an der Vergangenheit fest. Ein eiserner Griff, der nicht locker lässt. Angst vor Unbekanntem.
Ich bin ganz versunken in meinen Gedanken, bis plötzlich jemand vor mir auftaucht und fragt, ob neben mir noch Platz sei. Ich lächelte und nickte.

Innerhalb eines Jahres hatte ich diese Situation gleich zweimal. Sich an eine fremden Umgebung gewöhnen und seinen Platz finden. Und das, obwohl ich weder Lust, noch die nötige Energie dafür hatte. So ließ ich es schleifen und mich gehen. Wollte niemanden an mich ran lassen. Bereute meinen Schritt.
Doch inzwischen sind diese Zweifel wie weggefegt. Langsam, ganz langsam bin ich aufgeblüht und fühle mich nun so unglaublich wohl! Mache das, worauf ich Lust habe. Habe gefunden, wonach ich gesucht hatte. Der zögerliche Blick aus dem Schneckenhaus wurde zum überschwänglichen Wegwerfen dieser überflüssigen Hülle. Ich brauche sie nicht mehr.
Bei manchen Menschen muss man zwei-, drei- oder sogar viermal hinsehen, um sie wirklich zu sehen. Ich gehöre zu diesen. Aber es gibt immer Leute, die diesen Blick haben. Und dann findet man Menschen, die einen mögen, weil man so ist, wie man eben ist: Unauffällig, unbeachtet, unsichtbar. Ein Mauerblümchen - und noch so viel mehr.

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Sonntag, 12. Juni 2016

Bist du ein Abenteurer?

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Nur noch vage erinnere ich mich daran, wie sich der Strand unter meinen Füßen anfühlt und sich das Rauschen der Wellen in meinen Ohren anhört. Der Geruch von Salzwasser und die warmen Sonnenstrahlen, die meine Haut kitzeln sind nur noch ferne Eindrücke. Das Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit. Raus aus der Realität, weg vom Alltagstrott. Wie die Fußabdrücke im Sand verschwindet alles nach und nach, verblasst. Fernweh.

Eigentlich war ich nie die Abenteuerlustigste. Mein Sensation Seeking Wert wäre wohl im unteren Bereich, weil ich kaum den Drang verspüre Sachen zu machen, die mein Adrenalin in die Höhe schießen lassen würden. Bungee-Jumping oder Parabelflüge lassen meine Knie eher zittern, als dass es mir Freude bereiten würde. Brauche keinen Nervenkitzel oder die ständige Suche nach neuen, aufregenden Risikosituationen. Ganz im Gegenteil: Ich bin ein kleiner Angsthase. 

Allerdings fällt mir auf, wie sich in letzter Zeit trotz alledem eine Neugierde herausbildet, die ich bisher nicht kannte. Ich werde langsam zu einem Experience Seeker. Möchte so vieles von der Welt sehen, neue Eindrücke sammeln und neue Erfahrungen machen. Mich dazu bringen, mehr über meinen Schatten zu springen und meine Horizonte zu erweitern. Keine Stagnation. Immer weiter, weiter nach vorne. Oder ein paar Schritte zurück und auch einmal im Kreis, denn es kann nicht immer perfekt laufen. Muss es auch nicht. Aber man lebt nur einmal. Und wer weiß, vielleicht steige ich wirklich einfach in den nächsten Flieger und schaue, wo mich der Wind und die Wolken hintragen...

Dienstag, 31. Mai 2016

Recap: April and May

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Diese zwei Monate waren turbulent, aber sowas von. Habe einiges erlebt und dabei paar hundert Kilometer hinter mich gelegt. Es gab erfreuliche Wiedersehen, wenig Schlaf, konnte wundervolle Menschen in meinem Leben begrüßen und von einigen musste ich Abschied nehmen. Nächte wurden durchgemacht, Neues ausprobiert und entdeckt, ich bin über meinen Schatten gesprungen, habe mich geärgert und gefreut. Sowohl das Glück, als auch das Pech haben mich verfolgt.
Und nun steht für mich ein weiterer spannender, aufregender Monat an. Ich weiß, dass es hier momentan etwas ruhig ist, aber ich kann euch auch sagen warum. Weil ich mein Leben lebe. So viel mache, wie es nur geht. Mich auslaste und meine Grenzen, Kapazitäten teste. Ich könnte so viele Geschichten erzählen und vielleicht werde ich das auch. Irgendwann. Aber für's Erste müssen diese Bilder herhalten, die dir einen Einblick verschaffen. Und wenn du größeres Interesse hast, wissen willst, was sich hinter all dem verbirgt, dann komm auf Snapchat (thuy07). Da quatsche ich manchmal, gelegentlich auch Unsinn :)

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Wach auf, Mädchen. Die Realität wird dich irgendwann einholen,

denn sie nimmt keine Rücksicht auf dich, genauso wenig wie er. 

Mir fehlt die Kreativität und Imagination. Die Fantasie und Träumerei. Das Transzendente, Nicht-fassbare. 
Nichts gegen mein Studium, ich liebe Psychologie nach wie vor. Aber es ändert nichts daran, dass ich mich unvollständig fühle. Teile meiner Selbst verkümmern, sodass ich als Ganzes nicht wachsen kann. Deshalb wurde es an der Zeit etwas zu unternehmen und etwas dagegen zu machen.

Tief im Inneren war mir wohl bewusst, dass unsere Zeit begrenzt ist. Mir war das von Anfang an klar.

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Noch ist der Schmerz verkraftbar, kurz und schmerzlos, wie das Entfernen eines Pflasters.
Noch werde ich an den Folgen nicht zerbrechen. Noch ist es bloß ein Schlag ins Gesicht.

Mein Ziel war es immer mit meiner Kunst Menschen anzusprechen, zu berühren.
Und in dem Moment hatte ich das Gefühl genau das geschafft zu haben. 

Sprich, ich müsste morgen damit abgeschlossen haben. Auch wenn ich glaube, dass ich auf einem guten Weg bin, weiß ich, dass es etwas dauert wird. Immer wieder bekommt mein Herz einen kleinen Aussetzer, wenn ich seinen Namen höre und ich vermeide Orte, an denen ich ihm begegnen könnte.

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Mittwoch, 18. Mai 2016

Und ich tanze auf tausend Hochzeiten

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Meine derzeitige Liste an zu erledigenden Aufgaben ist lang. Sehr lang. Und das ist keine Übertreibung. Ich habe mir dieses Semester wohl wieder sehr viel zugemutet und merke langsam, wie eine riesige Welle auf mich zukommt, die droht mich unter sich zu begraben. Abgesehen von den Pflichten, die ich als Studentin zu erledigen habe, sehne ich mich nach so viel mehr. Kein ewiges Rechnen von Übungsblättern oder abendliche Ausflüge in die Uni, weil man im PC-Pool noch etwas zu tun hat. Möglichkeiten, die ich nur zu gerne am Schopf packen möchte. 

Vor einem 600 Mann Publikum mit meinem Chor gemeinsam auftreten, an Flashmobs teilnehmen, im Atelier Leinwände mit meinen Händen bemalen, ein Buch mit meinen Texten füllen, durch die lauwarmen Nächte tanzen, Poetry Slams besuchen, diese und jene Stadt erkunden, den Sand unter meinen Füßen spüren, picknicken, Shootings machen, meine Buchliste abarbeiten, jemanden küssen, die schönsten Kleider ausführen, mit meinen Freunden lachen, ...

Am liebsten möchte ich alles mitnehmen. Jeden Tag dafür nutzen, um mich lebendig zu fühlen. Aber es wird schnell klar, dass das unrealistisch ist. Ich komme mir selbst vor wie die Kinder, die früher bei der Spielegalaxie ein ganzes Spielwarengeschäft hätten ausräumen können, aber nur begrenzt Platz im Wagen und ein Zeitlimit hatten. Wie immer kann man nicht alles haben. Man muss wählen, sich entscheiden.

Trotzdem versuche ich im Moment so viel in meinen Warenkorb zu stopfen wie es nur geht. Tanze nicht nur auf zwei, sondern auf tausend Hochzeiten, weil ich ungern Absagen verschicke. Und so hetze ich von einem Ort zum anderen, bin immer angespannt, rastlos. Mir wird klar, dass ich Prioritäten setzen und einige Dinge verschieben, aufschieben muss, um nicht zu stagnieren. Bevor ich ganz untergehe, sollte ich lernen "Nein" zu sagen und das Gefühl beiseite schieben, etwas verpassen zu können. Ich kann mich nicht aufteilen. Das geht einfach nicht. Und im schlimmsten Fall kann ich mich nicht einmal auf das freuen, was ansteht. Die Gegenwart auskosten und zwar in vollen Zügen.

Also schicke ich meine erste Absage und merke, dass die Welt dadurch auch nicht untergeht. Im Gegenteil, mir geht es besser und ich habe wieder Luft zum Atmen. Streiche eine Sache nach der anderen von der Liste oder verstaue sie in die "Dinge, die dir nicht weglaufen werden"-Kiste. Man fühlt sich gleich um so viel freier. Denn manchmal ist es auch genug, nur auf einer Hochzeit zu tanzen. Aber dann von ganzem Herzen und mit leichten Füßen.

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Montag, 9. Mai 2016

Wortakrobatik

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Ich bin ein Wortakrobat.

Zumindest möchte ich einer sein. In meinem Kopf - kurz vor dem Einschlafen oder während ich in meiner Vorlesung eigentlich aufpassen müsste - entstehen Geschichten, die glatt als Hollywood-Film durchgehen könnten und an meinem Reimkünsten habe ich schon seit der 3. Klasse gefeilt. Der Satz "Mein Papa ist ein toller Mann, weil er so viel machen kann!" versetzte bereits meine Grundschullehrerin in sagenhaftes Staunen. Über Schneemänner und den Frühling gibt es auch kleine poetische Meisterwerke. Aber mal im Ernst.

Das Schreiben war schon immer ein Teil von mir, auch wenn der einzige Zuhörer selbst auf der Bühne stand. Während ich einen Gedanken nach dem anderen in meinen Tagebüchern festhielt, hatte ich immer das Gefühl, als würde ich meinen Kummer fortschreiben. Schüttelte mein Herz aus und die Buchstaben fielen wie Konfetti auf die leeren Seiten. Kleine Bruchteile, Fetzen meiner Vergangenheit sind nun in verschiedenen Büchern mit bunten Einbänden zu finden. Ich lache und weine mit mir, wenn ich die Zeilen durchlese. Merke, wie sehr und wie wenig ich mich verändert hatte. Doch mir fällt etwas Entscheidendes auf. Ich bin zwar ein Wortakrobat, doch nur in meiner Vorstellung. Es ist mir ein Leichtes die richtigen Worte zu finden, wenn ich sie tippen oder schreiben kann. Ein Schreibtyp durch und durch. Aber wenn man mich etwas fragt, eine Antwort wie aus der Pistole geschossen erwartet, dann bleibe ich stumm. Fühle mich, als würde ich mit dem Rücken zur Wand stehen, bin unter Druck, in Bedrängnis. Schaue verängstigt wie ein Reh. Deshalb kommt in solchen Momenten nur Unsinn aus meinem Mund. Als hätte mein Gehirn einen Aussetzer.

Ich weiß nicht, woher das kommt oder ob sich das irgendwie gebessert hat. Finde mich sehr oft in Situationen, die mich unsicher machen. Unbekanntes Terrain ist der Auslöser für meine Vorsicht, denn ich habe Angst, etwas Falsches zu sagen und beobachte lieber. Wenn man mich in diesen Momenten kalt erwischt, kann man nicht viel von einem Hirn aus Grütze erwarten. Aber was soll's, das gehört zu mir dazu. Dann bin ich halt ein verbaler Tollpatsch. Oder anders gesagt: ein Wortakrobat mit Sprachfehler.

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1 Stradivaius | 2 F21 | 3 Monki | 4 F21 | 5 F21 | 6 C&A